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Editorial

Bauruine im Gartenschuppen

Als ich Mitte Mai meine Tomatenstöcke ins Freie setzte, wunderte ich mich. Immer wieder flog mir eine Hornisse um die Ohren: in den halb offenen Gartenschuppen, aus ihm heraus – und später wieder hinein. Ich spähte in den Schuppen, sah aber nichts Auffälliges.

Als mir dasselbe ein paar Tage später noch einmal passierte, wollte ich es genauer wissen. Ich stellte mich in den Schuppen und wartete. Tatsächlich hörte ich kurz darauf das tiefe Brummen einer Hornisse, die etwas weiter vorne in den Unterstand flog.  

Und dann sah ich es: In der hintersten Ecke hing ein unscheinbares Gebilde von der Decke. Es waren die Anfänge eines Nestes – und die junge Hornissenkönigin flog so fleissig ein und aus, weil sie von einem Baum morsches Holz als Baumaterial holte.

In den folgenden Wochen beobachtete ich das Hornissennest in regelmässigen Abständen. Es war faszinierend zu sehen, wie eifrig die Hornissenkönigin daran herumkleisterte. Das Nest wuchs und wuchs. Anfang Juli war es so gross wie ein Joghurtbecher. 

Als wir aus den Sommerferien heimkamen, war ich gespannt, ob aus dem Joghurtbecher eine Suppenschüssel geworden war. Doch was ich beim Kontrollieren sah, enttäuschte mich: Das Nest war kaum gewachsen – und von Hornissen keine Spur. Wahrscheinlich war die Königin gestorben, aus was für Gründen auch immer.

Wie Sie merken, liebe Leserin, lieber Leser, hätte ich mich gefreut, wenn den Hornissen in meinem Garten etwas Besseres beschieden gewesen wäre als eine Bauruine. Denn Hornissen sind keineswegs aggressiv – und im Schuppen hätten sie niemanden gestört.

Trotzdem sind die Vorurteile gegenüber Hornissen und Wespen kaum auszurotten. Klar: Auch ich ärgere mich, wenn mir ein gelb-schwarzes Insekt die Grilladen streitig machen. Aber wie sie in unserem Fokus ab Seite 10 lesen, nehmen Wespen im Gefüge der Arten eine derart wichtige Funktion ein, dass man sie nicht einfach totschlagen oder vergiften sollte. 

Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre.

 

 Simon Koechlin, Chefredaktor

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